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Der große (Pan-)Theismusstreit der deutschen Religionsphilosophie: Sentimentalisten gegen Idealisten
Dieser Beitrag befasst sich damit, wie die gefühlsgläubigen Philosophen (religiöse Sentimentalisten: F. H. Jacobi, K. A. Eschenmayer, J. F. Fries, F. L. Bouterweck) die spekulativen Projekte von Fichte und Schelling (dessen Identitätsphilosophie) kritisierten, die sie als Pantheismus betrachteten. Dieser Streit war eine Fortsetzung der Spinoza-Kritik in der deutschen Aufklärung (Chr. Wolf) und eine Vorbereitung auf die Hegel-Kritik durch die Spätidealisten (Imm. H. Fichte und Chr. H. Weisse). Die Sentimentalisten waren nicht mit dem Weltbild einverstanden, nach dem das höchste Ziel der Persönlichkeit in der intellektuell-mystischen Vereinigung des Menschen mit dem Absoluten bestand. Für sie war die Beziehung zu Gott im Wesentlichen dualistisch und dialogisch. Deshalb war es für sie entscheidend, in ihrer philosophischen Theologie die aristotelische Logik mit ihrem Verbot des Widerspruchs zu bewahren. Der Vergleich mit der früheren Kritik am Spinozismus zeigt, dass die Vorwürfe des Immoralismus in den Hintergrund treten, obwohl sie von Jacobi aktiv aufrechterhalten wurden. Vielmehr tritt die Schwierigkeit des Verhältnisses zwischen dem Einen und dem Vielen in den Vordergrund. Der Status der Wirklichkeit, der Status der Welt der Vielen, ist die spekulative Schwachstelle, mit der es Jacobi gelingt, Fichte vom subjektiven Monismus abzubringen, und Eschenmayer gelingt es, Schelling einen Impuls zur Modifikation der Philosophie der absoluten Identität zu geben. Infolgedessen wird Eschenmayers Idee, dass Gott über dem Absoluten steht, von Schelling aufgenommen und von ihm in seiner Freiheitsschrift und bis zu den Vorlesungszyklen zur Offenbarungsphilosophie fortgeführt. So formiert sich der Spätidealismus dialektisch aus theistischen und „pantheistischen“ Ideen.