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Von F. Schleiermacher zum religiösen Gefühl ausschließlich als Emotion Ist eine solche Wende möglich?

Am Beispiel der Konzeption von F. Schleiermacher, die die
Religion als Gefühl zeigt – ein unmittelbares bzw. emotionales Wissen –, wird im
Aufsatz die Möglichkeit diskutiert, ob das Gefühl ausschließlich als Emotion verstanden
werden kann und welche Auswirkungen diese Deutung auf das Verständnis
von Religion hätte. Der Entwurf einer solchen Auffassung offenbart sich
in der Konzeption Schleiermachers selbst, und zwar durch ihre Mängel: da das
Gefühl ausschließlich in der Vermischung, nicht der Vereinigung von Emotion und
Denken (der Kognition überhaupt) bestehe, beschreibt Schleiermacher auch keinen
Mechanismus einer solchen Vereinigung und überträgt die spezifischen Besonderheiten
der Emotion und der Kognition einfach gegenseitig. Das Gefühl ausschließlich
als Emotion scheint dennoch in einigen Metaphern Schleiermachers
auf – unabhängig von seiner Konzeption des Gefühls. Der Aufsatz unterstützt diese
außerkonzeptionelle Deutung, die Konzeption selbst wird abgelehnt. Es wird
gezeigt, dass das Verständnis des Gefühls ausschließlich als Emotion zur Aufhellung
des Mechanismus von Religion beiträgt (in diesem Verständnis nämlich erscheint
die Religion mit all dem ihr eigenen Göttlichen und Wunderbaren nur als
Bewusstseinseffekt); die Betrachtung beschränkt sich daher auf die Besonderheiten
und Wechselwirkungen von Emotion und Denken, d. h. auf die Auswirkungen
der Strukturen des Bewusstseins. Es wird gezeigt, auf welche Weise diese Reduktion
der Religion auf die Arbeit des Bewusstseins nicht nur in der Religionswissenschaft
(in ihrem phänomenologischen Sachgebiet), sondern auch in der Theologie
Verwendung finden kann – zurückgewiesen wird dabei die Begründung der
Möglichkeit des Übernatürlichen in der Welt durch irgendwelche Besonderheiten
der Religion, und postuliert wird das Übernatürliche ausschließlich als Wunder.